Buch: Aspergirls

Ich lese gerade in Aspergirls von Rudy Simone, Die Welt der Frauen und Mädchen mit Asperger, Beltz 2012.

Und ich kann ziemlich alles unterschreiben, was die einzelnen Punkte betrifft. Ja, so bin ich wohl und es erklärt sich mir dadurch, weshalb es in meinem Leben so viele besondere Situationen gab, auf deren Bewältigung  ich nun vielleicht stolz sein kann, weil uns doch manches schwerer fällt als anderen. Das Brücken abbrechen wird in einem eigenen Kapitel erwähnt. Doch was dazu gehört, ist doch auch das Brücken bauen. Im Laufe eines Lebens lernt sich das dann. Es ist mir auch verständlich, dass wir alle lieber den Ausdruck Asperger Spektrum benutzen anstatt das Wort Autismus, welches meist ganz klar als Krankheit definiert wird.

Und dennoch bin ich enttäuscht von diesem Buch.

Ja, es ist ein amerikanisches Buch, die Sprache ist weichgespült und vielleicht ist auch die Struktur, die mir als zerrissen erscheint, dem Editor geschuldet. Vor allem stört es mich, dass es immer um Integration geht. Nun ja, bei mir ist die nicht gut gelungen, ich bin ein Nomadenherz, ein Freigeist und ich will auch nicht mehr in dem Sinne integriert werden, dass ich kann was alle können. Ich kann doch etwas anderes, was dabei unter den Tisch fällt! Deshalb bin ich sehr froh, dass es Artikel gibt von Schamanen, die ihren Asperger oder Autismus zum Thema machen, und diesen als das beste Werkzeug für ihre Berufung darstellen können.

Aber möglicherweise gefällt mir an dem Buch auch nicht, dass es nur um Frauen geht. Ich kam als Frau immer besser mit den Männern klar, ausdrucksmässig, interessenmässig und anderes. Dort galt es nicht immer gleich als unhöflich, wenn ich ehrlich bin. Gut, zugegeben, ich kann auch als arrogant, überkritisch, schwierig rüberkommen. Aber wenn ich Freunde hatte, dann gehörten die wohl auch oft zum Spektrum.

Das Interesse an Systemen und Strukturen kann sich in  so gut wie alle Bereiche des Menschenlebens  erstrecken, und daher finde ich jenes viel zu kurz, es gibt doch so viel zu entdecken. Wahrnehmung ist das beste Abenteuer. Und ja, es stimmt, sie lässt sich besser organisieren, um die sonst unvermeidlichen Zusammenbrüche durch Überladung zu vermeiden.

Also für einen ersten Einblick und für Viele mag dieses Buch das Richtige sein, ich habe es immerhin wegen der lobenden reviews erstanden. Es fehlt mir daran das Eigenwillige, was Asperger auszeichnet, die Genauigkeit der Sprache, auf die ich Wert lege. Was habe ich erwartet, Literatur? Nein, ich bin einfach äusserst gelangweilt von jeglicher Ratgeberliteratur, die fast  immer in der gleichen Weise geschrieben wird. Wie viele Psycho-Ratgeber habe ich wohl schon gelesen, zu so gut wie allen Diagnosen und Störungen, weil ich erkennen wollte, was an mir anders ist.

Ich freue mich auf die Entdeckung von mehr Asperger-blogs und Büchern! Immerhin schreiben wir gern! Und eine Zugehörigkeit ist auch mal etwas Schönes! sonnenspirit 2018

 

 

 

 

Ein Kommentar zu „Buch: Aspergirls

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  1. Interesting review, on several levels. Nomadic heart, but maybe just now not so much tolerant of all that might come with that – understandably so.
    And belonging, not always a ‚bad‘ thing! It is just exploring, as ever, the right fit, for you and others on that spectrum, that rainbow, somewhere.

    Gefällt 1 Person

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